Xi Jinping auf dem Weltwirtschaftsforum: Der Phrasenmeister von Davos



The building consists of two main parts:

Navigationsmenü


Ich glaube an die Marktidee, weil sie auf Versuch und Irrtum basiert und Planung nicht als Orakel, sondern als Risiko versteht: Wir werden wir an der konkreten Gestaltung von Plätzen und Häusern erkennen, dass Sie Ihr versprechen ohne politischen Einfluss und ohne Mitwirkung durch die Bewohnenden eingelöst haben? Ich bin kein Städtebauexperte, sehe aber, dass es viele Modelle und Theorien zu einer schön und gut gestalteten Stadt gibt.

Das sind alles Spekulationen! Wir werden Städte realisieren und dabei schnell lernen. Unser Vorteil ist, dass wir dabei nicht von fremden gesetzlichen und politischen Machbarkeiten eingeschränkt werden. Im Grunde fangen wir jedes Mal neu an. Wie möchten Sie am liebsten bezeichnet werden: Jemand hat geschrieben, ich wäre ein visionärer Realist. Da ist was dran. Ich bin immer gegen Utopisten und Wolkenkuckucksheim-Leute gewesen.

Was ich kann, sind visionäre Möglich-keiten, die uns der Markt des Zusammenlebens bietet, mit einem ganz realen Geschäftsmodell zu verbinden. Das ist meine Stärke. So machen es auch Aldi und die Migros erfolgreich: Sie stellen Produkte zur Verfügung. Und wenn das Produkt gut ist, wird es gekauft, wenn nicht, wird es am Markt scheitern. Ich bin überzeugt, dass die freie Privatstadt als Geschäftsmodell dem weltweiten Status quo der Städte künftig überlegen sein wird, weil daraus ein zusätzliches und vielfältiges Angebot entstehen kann, das viele Menschen von der Staatsabhängigkeit befreit und selbstbestimmter leben lässt.

Ja, zurück zu ihrem Schweizer Beispiel: Wenn Sie tatsächlich so eine Stadt in der Schweiz kennen, die als freie Privatstadt in Frage käme, dann ….

Architektur und Landschaft dauern aus dem Zug betrachtet nur einen kurzen Augenblick lang. Dann öffnet er seine Fenster, in den Tagen der Vorbereitung und Trainings nur zum Teil, während der nationalen und internationalen Regatten vollständig. Eine architektonische Skulptur haben die Architekten in die Landschaft gesetzt.

Richard Serra hat dazu gemeint: Der Holzturm wirkt irgendwie wackelig. Gleichzeitig sitzt er prominent und selbstbewusst in der Rotsee-Landschaft. Dieser Widerspruch ist kein Zufall, denn Hinter dem Entwurf steckt ein architektonisches Verfahren, durch das sich das Gebäude je nach Perspektive einer eindeutigen Wahrnehmung durch das Auge entzieht.

Es ist irgendwie irritiert, findet wenig oder gar keinen Halt. Er kann gross oder klein sein, offen und geschlossen, aktiv und stumm, sogar: Monumentalität ist bei dieser Architektur deshalb keine Frage der baulichen Masse, weil sich die Architektur sowohl im Gebrauch wie im Nicht-Gebrauch ihre Aufmerksamkeit selbst, mehrdeutig und temporär im ganz grossen Stil verschaffen kann. Dadurch ist am Rotsee baulich der Spagat zwischen den zwei Realitäten des Ruder-Spektakels und der Naherholung gelungen.

Als Skulptur und als Zeitmesser gibt der Zielturm am Rotsee den zahlreichen Sportlern und seinem Publikum, Zug-Pendlern, Joggern und Hündelern mehr zu denken, als auf den ersten flüchtigen Blick sichtbar ist. So geht eben Baukunst, die in ihrer Grundhaltung offen ist, den realistischen Bezug zu den vorgefundenen Realitäten findet und dabei erst noch ganz bei sich selbst bleibt. Seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist eine private Villa fester Bestand dieser Szenerie.

Dubois gilt als ein typischer Vertreter der so genannten Industriemoderne. Von bis arbeitete er bei Le Corbusier in Paris. Dubois eindrücklichste Bauten stehen u.

Jacques Herzog 68 , bekannt für seine scharfen Analysen und seine rhetorische Präzision, liess es sich anlässlich seines Besuchs in Luzern nicht nehmen, seine Sicht auf das KKL , entworfen und gebaut von Berufskollege Jean Nouvel, auf den Punkt zu bringen: Der Auftritt von Jacques Herzog war insgesamt sehr authentisch. HdM hinterlassen mit diesem Selbstverständnis seit vier Jahrzehnten derart Eigenes, Stimmiges und Ikonisches, dass die Nachfrage danach scheinbar unaufhaltsam und weit über die Disziplin Architektur hinaus gewachsen ist.

JH kann aber noch ganz anders: Das Fazit zum Abend: Wenn zwei in ihrem Fach anerkannte, gute Experten, die das anwesende Publikum und die sich auch gegenseitig gut finden, sich im KKL öffentlich unterhalten, dann sind sich die beiden auch schnell einig darüber, was draussen in der Welt das Gute und was das Schlechte z. B die Europa-Allee in Zürich ist. Ob dieses Setting nun für die beiden Guten auf dem Podium, für das gutmütige Publikum, den Veranstalter und die Sponsoren gut oder schlecht war, ist letztlich egal.

Gute 90 Minuten Unterhaltung für 25 Franken waren es allemal. In einem kurzen Moment waren sich die beiden Guten auf dem Podium doch nicht einig: Auch ausserhalb der Metropolen und Kernstädte wird geplant, investiert und gebaut, was das Zeug hält. Allein die Zahlen beeindrucken, und sie lassen den Anstieg der Fieberkurve erahnen: Emmen ist damit im Vergleich zahlenmässig mächtiger als neun Kantonshauptorte.

Bauen wir um, oder werden wir umgebaut? Kann sich Emmen das geplante Wachstum eigentlich leisten? Gelingt es den am Stadtumbau Beteiligten, nicht nur mehr Dichte, mehr umbauter Raum pro Fläche, sondern auch die notwendige öffentliche Akzeptanz für das, was im Kern entsteht — nämlich für mehr Stadt — zu schaffen?

Sie müssen dennoch fachlich gelöst werden. Wie hoch und wie nahe nebeneinander dürfen Häuser stehen? Welche baulichen Potenziale sind auch sozialräumlich verträglich? Wie gehen wir mit der Aussenwerbung um? Wird die Landwirtschaft zur Landschaftswirtschaft? In der aktuellen Situation teilt Emmen das Schicksal mit anderen städtischen Agglomerationen: Ausgerechnet in einer Zeit, in der zum ersten Mal über 50 Prozent der Weltbevölkerung in städtischen Siedlungsgebieten leben, ist die Verständigung über Urbanität und Stadt zu einem fachlich, politisch und medial aufgereizten Tanz um ein Plastikwort geworden.

Nicht einmal die Expertinnen und Experten sind sich darin einig: Ist Emmen eine Stadt? Halten wir nüchtern fest: Was wir allgemein unter Stadt verstehen, ist offensichtlich subjektiver und unsicherer sowie gleichzeitig vielfältiger geworden. Vermehrt sind es Markt- und damit Kommunikationsprozesse, die darüber bestimmen, was die Stadt vermeintlich ist, benötigt und ausmacht.

Raum- und Stadtplanung und der Städtebau werden dann zunehmend von der Dynamik einer eigentlichen Stadtproduktion angetrieben. Zugespitzt und an die Adresse der Planer und Architekten formuliert, bedeutet dies ein Umdenken: Städtischer Wandel funktioniert gerade andersherum: So lautet in Emmen die Frage. Wer Stadt aktiv gestalten, eine urbane Praxis etablieren und sogar innovativ sein will, wird Konfliktpotentiale, Trends, die Reaktion auf Notwendigkeiten, den Umgang mit temporären Ereignissen ebenso hoch gewichten, wie hoheitlich erstellte politische und fachliche Leitbilder und Planungsziele.

Alleine mit fünf Bällen zu jonglieren, ist eine professionelle Leistung eines Einzelnen. Und mit welcher Wirkung. Und mit welchen Folgen? Für Emmen bedeutet dies: Die Themen von damals sind den heutigen zumindest ähnlich.

Damals wie heute ging es, bzw. Lefebvre folgend, können deren drei unterschieden werden: Zurück zu unserer Eingangsfrage. Wo genau liegt eigentlich Emmen? Zwischen Luzern, Ebikon und Rothenburg. Und noch ein Argument spricht für die Stadtlandschaft: Vor Ort und in einzelnen Planungen die Stadtlandschaft Emmen als konzeptionellen Hintergrund zu propagieren, ist sinnvoll, weil darin die Vielfalt und die Polyvalenz, verschiedene Beziehungen, Bedeutungen und Funktionen zwischen unterschiedlichen Orten innerhalb und ausserhalb der Stadt- und der Gemeindegrenzen, bereits enthalten sind.

Zwischen Emmen und Luzern sind nicht nur Politik, Ökonomie, Gesellschaft und Bildung vernetzt; auch Bauten, Strassen, Flüsse und die Landwirtschaft bilden ein mehr oder weniger sichtbar und gelebtes Netzwerk. Was die Stadtlandschaft Emmen letztlich jedoch ausmacht, sind die Menschen und ihre Bedürfnisse.

Sich über eine Stadtlandschaft wie Emmen zu verständigen, erfordert und benötigt deshalb keine einheitliche Stadtidee, sondern Prinzipien und hauptsächlich dies: Reicher werden kann für Emmen dann bedeuten, dass dadurch mit guten Lösungen die bauliche Vielfalt und das Angebot an Lebensräumen gestärkt werden. Oder dass Orte von zentraler Bedeutung innerhalb der Gemeinde und im Umfeld aufgewertet, verdichtet und besser angebunden werden: So ist zu hoffen, dass die Hochschule mit ihrer Präsenz in der Viscosistadt dazu beitragen kann, zu aktualisieren, was Emmen heute und morgen als Stadtlandschaft brauchen oder gar auszeichnen kann.

Zu wünschen ist, dass im Experimente entstehen, die — ganz im Sinn der Möglichkeiten einer Kunst im Vorstadtparadies Emmen — für eine lebenswerte, offene und erfolgreiche Stadtidee stehen. Dann hat sich der Bocksprung für alle gelohnt: Stadt Emmen hin oder her. Wer plant die Planung? Städtische versus ländliche Schweiz?

Eisinger, Angelus und Schneider, Michel: A New Theory of Urban Design. Auf dem Pilatus sieht man, dass Stadt auch etwas Schönes sein kann. Ihren Antrieb für den Umgang mit Widerspruch und Komplexität sucht und findet diese Generation jeweils in der Antwort auf eine Aufgabe, an einem spezifischen Ort, zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die vorgefundenen Realitäten werden akzeptiert und zum Material für die eigene Entwurfsarbeit.

Diese findet in einem nicht vorbestimmten Raum statt, will heissen: Der Wettbewerbsentwurf entstand , in den Anfangsjahren des Büros. Die Architekten fanden einen Ort vor, an dem zeitgleich ein Primarschulhaus, Wohnhäuser und einige Hundert Meter weit entfernt die erste Autobahn der Schweiz gebaut worden waren.

Nach heftiger Bautätigkeit treffen heute die engmaschigen Siedlungen aus den er- und er-Jahren zusätzlich auf Industriegebiete sowie Freizeit- und Einkaufsbereiche. Der Neubau der Turnhalle mit Mehrzwecknutzung wurde fertiggestellt. Beim ersten Augenschein vor Ort erstaunt, dass die von Grün eingefasste Lichtung mit der Schul- und Freizeitnutzung ihre städtebauliche Originalität erhalten konnte.

Dahinter steckt ein Programm. Zunächst wurde mit dem Neubau der Turnhalle das Schul- und Freizeitgelände neu geordnet. An den Rand des Pausenplatzes gesetzt, respektiert das Gebäude ebenso den offenen Charakter der Lichtung wie die Präsenz des Primarschulhauses.

Die Spiel- und Sportplatzwiese wird durch das Volumen und die Lage der Turnhalle als parkähnlicher Freiraum lesbar, zu dem auch die relativ grosse Ulme auf dem Pausenplatz gehört. Die Ein- und Ausgänge des Neubaus funktionieren wie selbstverständlich: Ganz der modernen Tradition der Durchlässigkeit verpflichtet, wurde gleichzeitig die räumliche Anordnung der Nutzungen umgesetzt und die optischen Eigenschaften von Glas verwendet.

Haupteingang, der Garderobentrakt und die Nebenräume sind eingeschossig. Das Volumen der Turnhalle ragt eigenständig darüber hinaus.

Unerwartet für eine Einfachturnhalle, aber stimmig zum Strukturbild des Pavillons, öffnet sich die Sportnutzung zur Spielwiese hin mit einer Glasfassade und weit auskragenden Vordächern. Ebenso folgerichtig und in der Haltung systematisch gedacht, sind die Materialien Stahl, Glas und Holz verwendet worden. Wo genau liegt die Kuonimatt? Ihre Sprache ist konstruktiv, und ihre primäre Funktion besteht darin, zu schützen.

Weil ihre Gestaltqualität jedoch ausgesprochen plastisch wirkt, erhält der stilisierte Pavillon in seiner parkähnlichen Umgebung als baukünstlerisches Objekt seine zusätzliche Bedeutung. Graber und Steiger haben auf der Kuonimatt eine sowohl ortsgebundene, im Stil der Moderne räumlich ordnende und einer idealisierten Landschaft zugleich raumerweiternde und dadurch Atmosphäre schaffende Lösung realisiert.

Die Turnhalle ist schön, weil sie funktional und angemessen ist, Ordnung und Orientierung schafft, inhaltlich dem für den Ort sinnfälligen Konzept der Landschaft verpflichtet ist und architektonisch eine Botschaft hat. Aus dem Strukturbild des Pavillons heraus sind funktionale und urbanistische Mehrwerte entstanden, die einen bereits öffentlichen Ort weiterentwickelt haben, indem eine skulpturale bauliche Substanz ergänzt wurde.

Eine strukturierte Komposition führt nicht automatisch dazu, dass ein Gebäude zum Träger bestimmter Qualitäten in der Wahrnehmung wird. Die Architektur von Graber und Steiger ist nicht bildhaft zugänglich und schon gar kein populistisches Experiment. Identifikation mit Architektur resultiert erst im Gebrauch.

Zur Turnhalle auf der Kuonimatt wird gut Sorge getragen. Sie wirkt heute noch frisch und unverbraucht. Liebe kann dafür nicht allein der Grund sein. Der Zufall will es aber, dass auf der Spielwiese vor der Turnhalle die Glasfassade mit den Vordächern und gleichzeitig die nicht weit entfernten Wohntürme der Sportarena von Daniele Marques zu sehen sind: Zwei architektonische Komplizen, die sich zufällig begegnen, sprechen davon, dass sich die guten Dinge in der Architektur über Gemeinde- und Stadtgrenzen hinaus austauschen.

Im Hinblick darauf, dass für die kommenden Jahre dem Süden Luzerns ein heftiger baulicher Wandel vorausgesagt wird, provoziert die Begegnung von Struktur und Zufall einen abschliessenden Wunsch: Im Pompidou läuft bis am 3. Wie verhält es sich nun mit der Proseminarweisheit, dass Werk und Mensch voneinander zu trennen sind?

Mai in der NZZ publiziert hat, verunsichert in dieser Frage: Sind es nur die Bösen und Unbekannte, oder gehören einig der Guten, sogar weltweit Bekannte und Gefeierte dazu? Man kann sie auch anders stellen: Oder ist das Architekturgeschäft aus Sicht der globalen Player letztlich doch nur ein pragmatisches Geben und Nehmen? Die Fragen sind nicht leicht zu beantworten, sie haben schnell mit Ethik zu tun.

Dennoch zeigt die Diskussion um L. Jaques Herzog hat diesen Umstand eher unbedarft aber deutlich vorgeführt. Es war der 3. Der Bundesrat ist überfordert und die Gemeinderäte sind überfordert. Wir werden von Leuten regiert, die von Parteien gewählt werden.

Und diese Parteien sind nicht zu gebrauchen, weil in der Parteienlandschaft niemand über die eigentliche Sache diskutiert. Genau heute brauchen wir jedoch wieder Menschen, die in erster Linie an der Sache interessiert sind und Fakten auf den Tisch bringen. Ich sage nicht, dass die Chinesen dies tun. Aber weil es dort nur eine Partei gibt, hat China im Unterschied zur Schweiz bei politischen Entscheiden nicht noch irgendwelche Grabenkämpfe zu bestreiten.

Aber das hat seinen Grund: Mich fasziniert tatsächlich die Idee des Herrschers, der keine eigenen Machtinteressen hat. The Power of Architecture, Vitra , S. Aber in gewisser Hinsicht zeigten sie doch die Naivität eines Architekten.

Wir alle haben die Vorstellung, dass man eine Lösung präsentieren kann, die für alle passt. Dahinter steckt einerseits Grösse, aber andererseits zugleich ein Scheitern. Die Welt, in der wir leben, ist mehr oder weniger eine demokratische Welt …. Die meisten unserer Städte sind chaotisch. Sie sind nicht darauf ausgerichtet, ein Baumodell oder Baumuster zu übernehmen, das für alle passt. Es erfordert einen wohlwollenden Diktator, um das durchzusetzen.

Als Architekten hoffen wir immer, auf diese Weise Einfluss ausüben zu können, doch letzten Endes läuft es auf ein Gebäude und einen Klienten, einen Finanzplan, einen Zeitplan und den Genehmigungsprozess hinaus.

Jahre später noch in Erinnerung hatte aus: Hitler und Mussolini sind doch sehr erfolgreiche Politiker, sagte er und staunte über mein Erstaunen. Was wollen Sie, entgegnete er Anm: LC angeblich zu Wachsmann auf mein Erstaunen.

Hitler hat das Volk hinter sich. Werke und Meister, die Architektur auseinanderhalten zu wollen, dass hiesse dabei, genau jene Spähren voneinander zu trennen, auf die die Moderne gleichzeitig abzielte: Die Menschen und ihre Behausungen. Gleichzeit gilt es, sich davor zu hüten, Architekten und Künstler a priori mit den guten Menschen gleichzusetzen oder in kritischen Fällen wegzuschauen. Der Fall und seine publizistische Aufbereitung zeigen, dass ein Werk, und sei es architektonisch noch so bedeutsam, immer eine Portion Skepsis und Zweifel zulassen muss.

In keinem Fall geht es darum, fortan die Beurteilung von Werken a priori nicht mehr unabhängig von der Persönlichkeit des Architekten zu trennen und dadurch jedes Werk zuerst einer moralischen Bewertung zu unterziehen. Insbesondere bei Grossprojekten mit globaler Ausstrahlung geht es darum, mit Bauen auch den Nachgeborenen etwas über das politische Selbstbild einer Zeit erzählen zu können, über die Zeit, ihre Ideen, Werte und Träume. Dieser Anspruch lässt sich einfach aus historischen Beispielen finden, die wir fast alle lieben.

Ohne die Qualitätsansprüche von Architekten, Stadtplanern und der Politik bleibt das Gebaute nur Markt, sprich fantasieloses Bauen für den jeweiligen Moment und den Profit. Die Bauten der römischen Feldherren ebenso. Da gerade in unserer Zeit eine grosse Anzahl anspruchsvoller Werke von anspruchvollen Architekten und Bauherren im Auftrag verschiedenster Politischer Systeme realisiert werden, drängt sich ein anderer Gedanke auf: Vielleicht muss sich ein politisches System, wenn es sich im Einzelfall lohnt, unter globalen Einflüssen lokal einfach nur selbst überlisten, um nachhaltig gute oder gar ausserordentliche Bauten hervorbringen zu können.

Wie es in Luzern gelang, ein über 40 Meter auskragendes Dach durch vier Abstimmungen zu bringen, gleicht bis heute einem kleinen Wunder. Dass Peter Zumthor in Berlin andere Erfahrungen gemacht hat, heisst im Handumdrehen lediglich, dass Radikalität, verstanden als Ausdruck der eigenen, unverrückbaren Position, per se dabei kein Rezept darstellt, das ein Scheitern verhindert.

Mit Gemeinsamkeiten ist somit eine erweiterte Form von Transparenz im Architekturverständnis gemeint. Eine, die im Städtebau und in der Architektur ideell, materiell, räumlich und performativ zur guten Lösung beiträgt. Information und Austausch sind im Architekturgeschäft nicht nur mehr oder weniger mühsame Aufgaben und Mittel: Sie leisten vielmehr einen substantiellen Beitrag an die richtige Lösung. Kommunikation in der Architektur und dazu zählt auch das Branding ist zuerst einmal soziales Handeln und erst danach Selbstdarstellung.

Eine Transparenz des Gemeinsamen die sich als eine programmatische Forderung behaupten kann, wäre gleichbedeutend mit der Chance, dass sich eine ganzer Berufszweig vom ungesunden Massensport der Autoren- und Künstlerarchitekten distanzieren könnte.

Die Architektur könnte sich wieder mehr auf ihren Beitrag an den Lebensraum widmen, und überdies: Realismus bedeutet in diesem Fall auch eine gewisse Freiheit: Lassen wir ein Haus wieder ein Haus sein, ohne dass es ein Konstrukt oder ein Dekonstrukt sein muss, lassen wir gute Architektur wieder schön sein, ohne dass sie partout aus der Idee eines Kunstobjekts entstanden sein muss. Lassen wir gleichzeitig die Kunst unnütz und zeitgemäss sein, ohne dass jede Intervention ausserhalb des Museums die Stadt, das Leben im öffentlichen Raum gleichzeitig neu interpretieren und definieren und darüber hinaus auch noch verbessern muss.

Sie ragen meist heraus ohne den Anspruch, das politische System in Frage stellen zu müssen, oder die gottähnlichsten unter den Gestaltern dieser Welt zu sein. Dafür ist die Ausstellung in Paris eine wertvolle Erinnerung: Le Corbusier war Architekt, malte und hinterlies seiner Nachwelt, durchaus mit gesellschafts- und sozialpolitisch motiviertem Kalkül, einige nachhaltig wirksame Plan-, Bild- und Textdokumente. Paris steht für den wahnwitzigen Versuch, die Schönheit der Stadt in Stein herzustellen.

Solche Motive sind natürlich total unschweizerisch: Le Corbusier überliess den Bau der Wohnbauten seinen Kollegen. Selbst widmete er sich den Orten der Macht, die er dann auch realisierte: Es liegt also nahe, in dem Zeichen mehr als nur einen riesenhaften Baseball-Handschuh, eine Art Pokal, oder den Fetisch einer Architekten-Sekte zu erkennen.

Sie war auch so etwas wie das Wahlversprechen seitens der Regierung, die Gaben des Fortschritts im Sinne des modernen Sozialstaats an das Volk weiterzugeben. Ein Augenschein vor Ort: Im Zuge der Sanierung der Türme wurde der Monolith im Februar temporär umplatziert, gewissermassen in den Ruhestand versetzt. Der kleine Tourismusort Brand in Österreich hat das, was viele schweizerische Dorfschaften sich heimlich wünschen: Ein Dorfzentrum ohne Bank und W3-Wohnbauten.

Erst ab gab es eine eigene Pfarrei in Brand, in der damals etwa Menschen lebten. Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg wechselnd von Tirol und vom vorderösterreichischen Freiburg im Breisgau aus. Von bis gehörte der Ort zu Bayern, dann wieder zu Österreich. Seit Mitte des Jahrhunderts kam im Ort zunehmend Tourismus auf. Von an wurden diverse Bergbahnen und Skilifte errichtet. Auf den Pisten und Wanderwegen wird heute oft Schweizerdeutsch gesprochen.

Eine Hauptstrasse flankiert von kleinen Geschäften, Pensionen, Ferienhäusern und kleinen Hotelbetrieben verbindet die Anschlüsse zu den Bergbahnen. Allerdings gibt es Unterschiede: Die Gastfreundschaft zum Beispiel fällt gegenüber den Erfahrungen in der Schweiz einmal mehr auf. Lange Zeit verfügte Brand über keinen ausgesprochenen Orts- bzw.

Zwei, drei teils öffentlich genutzte Häuser neben der Kirche bildeten ein bescheidenes funktionales und räumliches Zentrum. Seit der Errichtung des Gemeindezentrums in den iger Jahren konnte sich das Mühledörfle als wirtschaftliches Zentrum etablieren. In ihrer nachlässigen oder leichtfertigen Vorläufigkeit wahrt sie sich einen ständigen Vorbehalt: Das komme auch sprachlich zum Ausdruck.

Die ironische Auseinandersetzung mit vorgefundenen Ebenen von Wirklichkeit ist für Musil zugleich das Mittel, um Raum zu schaffen für anderes, für neue Möglichkeiten. Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. Stets sei die Wirklichkeit ironisiert oder mit Utopie durchsetzt. Es ist vor allem eine Kunst der Integration, die das Disparate zusammenzwingt, viele Schichten und Tonlagen in eine Einheit bindet: In diesem Sinne sind Metapher oder Vergleich oft genauer als die bildlose Rede.

Musils Stil lebt zum guten Teil aus einer Metaphorik, die nirgends ornamentalen Sinn hat. In drei Teile ist das von Musil bei Lebzeiten veröffentlichte Romanwerk gegliedert. Das Anfangskapitel trägt die Überschrift: Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres Einen derart schwer verständlichen meteorologischen Bericht, so Precht, erwarte man vielleicht in wissenschaftlichem Kontext, aber doch nicht als Romananfang.

Arnheim noch in Konstantinopel, so steht man vor dem Rätsel, wer sie seien. In der Forschungsliteratur, die sich mit Musils Hauptwerk befasst, nimmt das Auftaktkapitel als Deutungsschwerpunkt eine Sonderstellung ein. Es handelt sich um einen der bekanntesten Romananfänge der europäischen Literatur, so Inka Mülder-Bach: Dabei wird die Anonymität der Szene nie gelüftet. Die Überschrift des ersten Kapitels: Dank der Loslösung vom nur historischen Detail in künstlerischer Abstraktion vermag ein solches Kapitel, das auf datiert ist und veröffentlicht wurde, heute eine unverminderte Geltung zu bewahren, nicht nur durch seinen dichterischen Rang, sondern als Darstellung des Weltzustandes im Wie das Romanwerk im Ganzen auf die Besichtigung und Auseinandersetzung Musils mit den gesellschaftlichen und geistigen Strömungen seiner Zeit bezogen ist, so sind es auch die vorkommenden Personen.

Sie verkörpern unterschiedliche Menschentypen und stehen für bestimmte Denkmuster. Es sind im Wesentlichen drei Kreise oder Personengruppen, in denen Ulrich verkehrt: Nach Precht galt es für Musil bei der Figurenzeichnung eine Gratwanderung zu bestehen: Seine Figurennamen dürften durchweg Anspielungscharakter haben, auch wenn vollständige Aufklärung darüber nicht vorliegt und teils schwierig ist.

Anders verhält es sich bei den Vertretern des Militärs: In Kapitelüberschriften hat Musil die bei Lebzeiten publizierten drei Teile seines Hauptwerks gegliedert: Mit den Kapitelüberschriften erweckt Musil zunächst den Anschein des herkömmlichen Erzählers, der ein übersichtlich geordnetes Ganzes aus in sich geschlossenen Einzelabschnitten entwickelt.

Stehen die Kapitelüberschriften also einerseits für einen bekannten Orientierungs- und Ordnungsrahmen, so fügen sie sich durch die Ausgestaltung andererseits in Musils Grundbestreben, gängige Konventionen zu unterlaufen und auszuhebeln, um für anderes Raum zu schaffen. Der Autor scheint mitunter ein Spiel mit Titeln und Lesern zu treiben. Mal sind die Überschriften lakonisch kurz gehalten: Mal kommen sie beinahe geschwätzig daher: In einem Zustand von Schwäche zieht sich Ulrich eine neue Geliebte zu ; Ein geniales Rennpferd reift die Erkenntnis, ein Mann ohne Eigenschaften zu sein.

In wechselnder Abmischung werden ironisch-satirische Akzente gesetzt: Die Vereinigung von Seele und Wirtschaft. Der Parallelaktion wird dadurch eine Idee geboren ; Ein Kapitel, das jeder überschlagen kann, der von der Beschäftigung mit Gedanken keine besondere Meinung hat.

Manchmal lässt der Verfasser am Sinnzusammenhang seiner getitelten Aussagenreihungen zweifeln: In der Weltgeschichte geschieht nichts Unvernünftiges, aber Diotima stellt die Behauptung auf, das wahre Österreich sei die ganze Welt ; Auch die Erde, namentlich aber Ulrich huldigt der Utopie des Essayismus ; Von der Halbklugheit und ihrer fruchtbaren anderen Hälfte; von der Ähnlichkeit zweier Zeitalter, von dem liebenswerten Wesen Tante Janes und dem Unfug, den man neue Zeit nennt ; Die Verhältnisse spitzen sich zu.

Arnheim ist sehr huldvoll zu General Stumm. Diotima trifft Anstalten, sich ins Grenzenlose zu begeben, Ulrich phantasiert von der Möglichkeit, so zu leben, wie man liest.

Sie fällt der Geschichte immer wieder ins Wort, benimmt dem Erzählen seine Verbindlichkeit und stellt das ausgesprochene Wort durch seinen Gegensinn in Frage. Dass Musils Einerseits-Andererseits zugleich ein wechselseitiges Ergänzungsverhältnis betont, wird von Mülder-Bach eingehend verdeutlicht, indem sie den besonderen Stellenwert der Konjunktion und für Musils Denken und Schreiben hervorhebt.

Eine elementare Bedeutung diesbezüglich hat demnach die kaiserliche und königliche k. Auch die geistig-seelische Verfasstheit von Musils Ulrich an sich ist von einem solchen Komplementärverhältnis bestimmt. Beide Positionen stehen in einem komplementären Verhältnis, das nicht auf eine Alternative, sondern auf eine Synthese gerichtet ist.

Für ihn ist der eine nicht ohne den anderen. Ein Dreh- und Angelpunkt der Reflexionen im Mann ohne Eigenschaften sind die Verhältnisse, wie sie geworden sind und anders sein könnten oder sollten. Diesen Dualismus entwickelt Musil an einer Vielzahl von Betrachtungsgegenständen, unter anderem zu Geschichte und Zeitgeschehen.

Den weit ausgreifenden, zukunftsbezogenen bürokratischen Leerlauf im Rahmen der Parallelaktion persifliert Musil exemplarisch:. Ähnlich geartete Substanzdefizite zeigt Musils Aufbereitung des vermischten Medien-Informationsangebots auf:. Die leuchtende, schaukelnde Schachtel, in der er fuhr, kam ihm wie eine Maschine vor, in der einige hundert Kilogramm Menschen hin und her geschüttelt wurden, um Zukunft aus ihnen zu machen.

Auf Bedeutung und geistige Ordnung, so Schelling, kommt es für Ulrich bei geschichtlichen Vorgängen und ihren Trägern nicht an. Der Mitreisende bewegt sich zwischen festen Wänden auf festem Boden; aber Boden und Wände werden von den Bewegungen der Reisenden unmerklich auf das lebhafteste mitbewegt.

Schau ein bissel zu, was sie eigentlich vorhaben. Wenn er dennoch spreche, geschehe es nicht, um sich in die unübertreffliche Kritik der bisher aufgetauchten Vorschläge zu mengen, die alle vortrefflich waren. Dennoch möchte er zum Schluss folgenden Gedanken einer wohlwollenden Prüfung anheim stellen. Die Chinesen, zumal die jungen und kreativen, die das Internet bevölkern, erkennen diesen Widerspruch genau.

Wer in Peking lebt und in den vergangenen Wochen morgens das Fenster öffnete, war sich oft nicht ganz sicher, ob die Sonne schon aufgegangen war, so dicht lag der Smog über der Stadt. Von Licht und Luft zu sprechen, ist für chinesische Politiker gefährlich: Wenn sie selbst, etwa bei Militärparaden oder Gipfeltreffen, blauen Himmel wollen, dann schalten sie einfach Kraftwerke und Fabriken ab.

Doch wenn der Präsident in den Schweizer Bergen über frische Luft sinniert, während in Peking die Feinstaubwerte steigen, fordert er Zynismus und Verbitterung heraus. Hier geht es zum Video "Dem Feinstaub kann niemand entkommen. Der Phrasenmeister von Davos. Diskutieren Sie über diesen Artikel. Alle Kommentare öffnen Seite 1. Eine ziemliche Diskrepanz zwischen den Worten und den Taten.

Irgendwie habe ich da den Eindruck für dumm verkauft zu werden. Aberlour A ' Bunadh Etwas mehr Geschichtsbewusstsein bitte, Herr Zand. Wer sollen die Beispiele für "Liberale Wirtschaftsordnung" sein? Etwa die USA oder Deutschland?